Ferienhilfswerk St. Ulrich Alpen zeigt im Ferienlager Ellemeet, warum die ersten Tage oft die wichtigsten sind
Zwei Wochen ohne Eltern. Für viele Kinder und Eltern ist das zunächst ein großer Schritt. Der Koffer ist gepackt, die Aufregung riesig – und manchmal fließen beim Abschied sogar Tränen. Doch wer einige Stunden später durch das Ferienlager des Ferienhilfswerks St. Ulrich Alpen in Ellemeet läuft, erlebt etwas ganz anderes: Kinder lachen, spielen, toben über den Platz und schließen Freundschaften. Aus Unsicherheit ist Vertrauen geworden.
Genau darin liegt die besondere Stärke des Ferienlagers.
Das diesjährige Lagermotto lautet „Wo der Wahnsinn beginnt“. Doch der „Wahnsinn“ meint hier nicht Chaos um des Chaos willen. Er beschreibt die besondere Atmosphäre eines Ortes, an dem jeden Tag Neues passiert.
„Für mich bedeutet das Motto, dass wir einfach ein bisschen chaotisch sind. Und wir lieben einfach dieses Chaos im Lager“, sagt Betreuerin Kayra Aktas (20) mit einem Lächeln.
Doch bevor die großen Abenteuer beginnen können, braucht es etwas anderes: Sicherheit.
Aus Fremden werden Vertraute
Viele Kinder verbringen in Ellemeet ihre allererste Ferienfreizeit. Entsprechend groß ist die Nervosität am Anreisetag. Die Aufgabe der Betreuerinnen und Betreuer beginnt deshalb lange vor dem ersten Ausflug.
„Indem man viel mit den Kindern redet, kommen sie nach und nach aus sich heraus“, beschreibt Betreuerin Isis Geerkens (18) den wohl wichtigsten Teil ihrer Arbeit.
Es sind keine spektakulären Aktionen, die Vertrauen entstehen lassen. Es sind die kleinen Gespräche, das gemeinsame Spielen, ein aufmunterndes Wort oder jemand, der einfach zuhört.
Auch die älteren Kinder übernehmen dabei Verantwortung für die Jüngsten. Sie erklären Abläufe, nehmen neue Kinder mit und sorgen dafür, dass niemand allein bleibt.
Wie selbstverständlich dieses Miteinander gelebt wird, zeigt die Antwort von Fabian Barten (10). Für ihn ist klar, wie er neuen Kindern hilft, um ihnen den Start zu erleichtern: „Ich würde sagen, dass das Programm richtig Spaß macht. Und auch wenn man mal auf der Couch sitzt und ganz alleine ist, kann man zum Spielplatz gehen. Da gibt es ganz viele Möglichkeiten zum Spielen – zum Beispiel ein großes und ein kleines Hüpfkissen, ein Klettergerüst und einen Fußballplatz. Ich würde die Kinder an die Hand nehmen und sie in die Gruppe einführen, damit sie auch ein bisschen Spaß haben.“
Wie sich dieses erste Mal im Lager anfühlt, können die Allerjüngsten hier am besten beschreiben. In diesem Jahr verbringen sechs Achtjährige ihre allererste Ferienfreizeit in Ellemeet.
Für Mia Komosar (8) war die Anreise zunächst mit gemischten Gefühlen verbunden.
„Also, es war erstmal ganz komisch, weil ich jetzt so lange von Mama und Papa getrennt war. Hier waren neue Betreuer und alles war neu. Ich war auch sehr aufgeregt. Ich finde es echt toll hier. Manchmal vermisse ich Mama und Papa, aber jeden Tag muntern meine Freunde mich wieder auf. Dann bin ich glücklich und fühle mich wohl.“
Auch Anna Roghmanns (8) beschreibt die ersten Tage als etwas ganz Besonderes.
„Das Gefühl, so lange von den Eltern weg zu sein, ist schon krass, weil man die Familie nicht sieht. Aber irgendwie ist es auch cool.“
Gefragt nach ihrem bisherigen Highlight muss Anna nicht lange überlegen:
„Am coolsten fand ich bis jetzt das Schwimmbad.“
Gerade diese ehrlichen Antworten zeigen, worum es im Ferienlager geht. Es geht nicht darum, dass Heimweh gar nicht erst entsteht. Es geht darum, dass Kinder erleben: Ich bin nicht allein. Hier sind Menschen, die auf mich aufpassen. Und hier entstehen Freundschaften, die selbst schwierige Momente leichter machen.
Ein Ort, an dem Kinder einfach Kinder sein dürfen
Während Smartphones den Alltag vieler Familien bestimmen, gelten im Ferienlager bewusst andere Regeln.
„Wir haben hier ein relativ striktes Handyverbot“, erklärt Lagerleiter Steve Lingnau (23). Handys dürfen nur zu festgelegten Zeiten genutzt werden.
Der Gedanke dahinter ist einfach.
„So schaffen wir einen Raum, in dem Kinder einfach Kind sein dürfen – ohne die ganze Zeit von TikTok, Instagram, Snapchat oder WhatsApp abgelenkt zu sein.“
Statt auf Displays richten sich die Blicke auf den Strand, den Spielplatz oder die nächste gemeinsame Aktion.
Auch Eltern müssen Vertrauen lernen
Nicht nur für Kinder beginnt mit der Anreise ein neues Abenteuer.
Viele Eltern geben ihre Kinder zum ersten Mal für zwei Wochen in fremde Hände. Entsprechend groß ist der Wunsch zu wissen, dass es ihnen gut geht.
„Die Eltern wünschen sich vor allem, dass ihre Kinder glücklich sind und zwei schöne Wochen haben“, sagt Steve Lingnau.
Damit die Familien trotzdem am Lagerleben teilhaben können, informiert das Ferienhilfswerk regelmäßig über seine Social-Media-Kanäle.
„So versuchen wir, die Eltern am täglichen Leben teilhaben zu lassen, damit sie zu Hause beruhigt sein können.“
Hinter den Kulissen entsteht das Ferienlager
Dass die Kinder unbeschwerte Ferien erleben können, ist das Ergebnis vieler Menschen, die im Hintergrund zusammenarbeiten.
„Eine gute Planung mit abwechslungsreichem Programm und auch eine durchdachte Küchenplanung“, nennt Betreuerin Kira van de Kamer (18) als Grundlage für einen gelungenen Lageralltag.
Wie wichtig gerade die Küche für das Gemeinschaftsgefühl ist, beschreibt Chefköchin Birgit Thiesies mit wenigen Worten:
„Kochen, essen, kleckern, lachen, feiern, quatschen, sich wohlfühlen und Danke sagen.“
Mehr braucht es manchmal gar nicht, um ein Zuhause auf Zeit entstehen zu lassen.
Wenn aus Kindern eine Lagerfamilie wird
Schon nach wenigen Tagen verändert sich die Stimmung spürbar.
Neue Freundschaften entstehen nicht nur in den Zimmern, sondern bei Ausflügen, Spielen und gemeinsamen Mahlzeiten.
„Die Kinder lernen sich kennen und bilden ihre eigenen Gruppen. Es entstehen Freundschaften, die oft weit über das Ferienlager hinaus bestehen bleiben“, erzählt Gruppenleiter Felix Braun (20).
Auch Steve Lingnau beobachtet jedes Jahr denselben Moment.
„Man merkt es daran, dass plötzlich alle zusammen ein Team ergeben. Streitigkeiten verschwinden, alle verstehen sich untereinander – dann entsteht dieses besondere Lagergefühl.“
Dass genau diese Erinnerungen bleiben, bestätigen auch die Kinder selbst.
Für Lotta Grumet (11) und Paul Kämmerling (9) war der Freizeitpark das Highlight der Freizeit: „Am besten war bisher, dass wir im Mini Mundi waren. Das war nämlich richtig gut.“
Der wahre Wahnsinn
Vielleicht beginnt der „Wahnsinn“ in Ellemeet tatsächlich nicht mit dem ersten Geländespiel, dem Strandtag oder dem Freizeitpark.
Vielleicht beginnt er genau in dem Moment, in dem ein Kind merkt:
„Hier gehöre ich dazu.“
Und genau dann wird aus einem Ferienlager mehr als nur zwei Wochen Urlaub.
Es wird ein Ort, an dem Vertrauen wächst, Freundschaften entstehen und Kinder erleben dürfen, wie sich Gemeinschaft anfühlt – ganz ohne großes Aufheben, aber mit ganz viel Herz.
Denn genau darin zeigt sich Ferienlagerliebe: Erwachsene übernehmen Verantwortung, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Kinder schenken Vertrauen. Eltern können ihre Kinder guten Gewissens loslassen. Und aus vielen kleinen Gesten entsteht ein Ort, an den man immer wieder zurückkehren möchte.







